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Interkulturelle Verständigung


Ideen, Leitlinien, Überlegenswertes  

Hier entlang können sich Projektideen entwickeln, die den Zielen der Stiftung entsprechen.

Weltorientierung, Aufklärung, Toleranz  

„Zu Bildung gehört Einsicht in die historische Vielfältigkeit der Art, wie wir denken, fühlen, reden und Leben: Es hätte alles auch anders kommen können. Dieses Bewusstsein drückt sich aus in der Fähigkeit, die eigene Kultur aus einer gewissen Distanz raus zu betrachten und von dem naiven und arroganten Gedanken abzurücken, die eigene Lebensform sei den anderen überlegen und einem angeblichen Wesen des Menschen angemessener als jede andere. Solche Anmaßung ist ein untrügliches Zeichen von Unbildung.  

Die eigene Kultur …

Eine Kultur zu verstehen, heißt, sich mit den Vorstellungen von moralischer Integrität auszukennen, die dort herrschen. Wir wachsen mit bestimmten moralischen Geboten und Verboten auf, wir lernen im Elternhaus, auf der Straße, durch die Filme und Bücher, die uns prägen. Zuerst setzen wir sie absolut, wir lernen sie nicht als Möglichkeit unter anderen.  

… eine Sicht der Welt unter vielen

Der Bildungsprozess besteht darin, zur Kenntnis zu nehmen, dass man in anderen Teilen der Erde und in anderen Gesellschaften über Gut und Böse anders denkt und empfindet; dass auch unserer moralischen Identität historische Zufälligkeit anhaftet. Bildung bricht mit der Vorstellung der Absolutheit und ist deshalb subversiv und gefährlich, was Weltanschauung und Ideologie angeht. Man könnte vielleicht sagen: Nur wer die historische Zufälligkeit einer kulturellen und moralischen Identität kennt und anerkennt, ist richtig erwachsen geworden.  

Neugier auf das andere

Wenn ich in diesem Sinne gebildet bin, habe ich eine bestimmte Art von Neugierde: wissen zu wollen, wie es gewesen wäre, in einer anderen Sprache, Gegend und Zeit, auch in einem anderen Klima aufzuwachsen; wie es wäre, in einem anderen Beruf, einer anderen sozialen Schicht zu Hause zu sein. Ich habe das Bedürfnis zu reisen und dadurch meine inneren Grenzen zu erweitern. Bildung macht süchtig nach Dokumentarfilmen.  

Das führt zu derjenigen Definition von Bildung, die mir die liebste ist: Der Gebildete ist einer, der ein möglichst breites und tiefes Verständnis der vielen Möglichkeiten hat, ein menschliches Leben zu leben.“  

Peter Bieri (Pascal Mercier): Wie wäre es, gebildet zu sein? In: Zeitmagazin 32/07